GEMEINSAMKEITEN UND UNTERSCHIEDE ZWISCHEN DEM MIMETISCHEN ERZÄHLEN NACH ARISTOTELES UND DEM DIEGETISCHEN ERZÄHLEN NACH PLATO
Abstract
Schon bei der ersten Begegnung mit dem Begriff Kreatives Schreiben, der im angloamerikanischen oder atlantischen Kulturraum weitaus geläufiger ist, unter der Bezeichnung Creative Writing (wenngleich dieser Terminus auch in anderen Kulturen in Umlauf ist, ins Besondere im korporativen Verlagswesen), wird der Leser umgehend vor ein durchaus logisches Dilemma gestellt - welche Art des Schreibens ist damit eigentlich gemeint? Oder, was für ein Schreiben ist dies, welches - sofern es bereits künstlerische Prätensionen hat - nicht von sich aus kreativ ist? Bereits in der Einführung in den Begriff des kreativen Schreibens soll betont werden, dass in jedem Produkt, in jedem Artefakt des künstlerischen Schreibens: ob es sich um ein Gedicht, eine Gedichtsammlung, eine Erzählung, eine Erzählsammlung oder, letztendlich, um einen Roman handelt, normative Elemente, Prinzipien und andere Merkmale des kreativen Schreibens mit enthalten sind - wobei jegliches kreative Schreiben nicht notwendig künstlerisch ist. Eines der grundlegenden Ziele dieser Studie ist es auch, aufzuzeigen, dass dem modernen Medienverständnis zufolge, wenn es um das Erzählen geht, dieses (das Erzählen) in vielfältigen Formen und Erscheinungsweisen vorkommt (im Roman, in Drehbüchern für Film und Fernsehen, in für das Theater zu inszenierenden Dramen, im Hörspiel, in der Lyrik, aber nichtsdestoweniger im dramatisierten bzw. narrativ strukturierten Werbespot, in der Fernsehwerbung mit dramatischer Handlung ... bis hin zum Musikvideo, das ebenfalls meist auch eine „Geschichte im Kleinformat„ ist), wobei einige der seit Menschengedenken und aus der Zeit der oralen Literatur bekannten Grundpostulate auch weiterhin eine eigene, eindeutige Immanenz sowie begleitende Nachwirkungen haben. Mit anderen Worten, alles, was eine Geschichte erzählt, und jeder, der eine Geschichte erzählt, können unter den Begriff kreatives Schreiben subsummiert werden, ebenso wie jedes Artefakt des kreativen Schreibens nicht notwendig als Kunstwerk zu betrachten ist. In diesem Sinne sollte auch differenziert werden, dass alles aus dem kreativen Schreiben Hervorgegangene nicht notwendig als Kunstwerk zu gelten hat. Dies bedeutet, dass das literarische oder, besser gesagt, erzählerische Werk wiederum notwendig Merkmale in sich trägt, die in diesem Aufsatz näher erörtert werden. Dieses Dilemma, welches anfangs noch eine selbstverständliche Feststellung war, wird auf, so scheint es zunächst, immer komplizierter und nahezu unentflechtbar.




